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2014-05-05

ASIEN/PAKISTAN - Neue Kampagne für die Abschaffung des Blasphemie-Gesetzes auf den Weg gebracht

Lahore (Fides) – Kritische Stimmen von Religionsvertretern und Politikern wurden durch die Morde an dem katholischen Minderheitenminister Shahbaz Bhatti und dem muslimischen Gouverneur der Provinz Punjab Salman Taseer, die sich für die zum Tode verurteilte Katholikin Asia Bibi eingesetzt hatten, im Jahr 2011 brutal zum Schweigen gebracht. Damals hatte auch die Abgeordnete Sherry Rehman im Parlament die Reform des Blasphemie-Gesetzes gefordert und hatte in diesem Zusammenhang Drohungen erhalten. Dank ihrer Ernennung zur pakistanischen Botschafterin in den Vereinigten Staaten konnte sie das Land verlassen.
Heute werden erneut Stimmen laut, die die Abschaffung des Gesetzes fordern: “Es ist Ursache vieler Probleme in Pakistan, von Verstößen gegen die Menschenrechte, Gewalt und Diskriminierung. Deshalb muss es abgeschafft werden“, fordert zum Beispiel der Anwalt Mushtaq Gill von der christlichen Nichtregierungsorganisation LEAD, die eine neue Kampagne zur Abschaffung des Gesetzes auf den Weg brachte. “Auch wenn wir bedroht werden sollten”, so Gill, “möchten wir das Augenmerk der Gesellschaft auf jede Art von Extremismus lenken“, so P. James Channan “Peace Center” in Lahore. “Das Gesetz hat viel Leid gebracht und zum Tod unschuldiger Menschen geführt. Politik und Gesellschaft in Pakistan müssen sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst werden. Eine Änderung dieses Gesetzes ist von wesentlicher Bedeutung für die Justiz und den Rechtsstaat in unserem Land”.
In den vergangenen Tagen hatte auch der ehemalige pakistanische Präsident Ali Zardari “eine Revision des zur Zeit des Diktators Zia-ul-Haq verabschiedeten Gesetzes” als wünschenswert bezeichnet. An einer Kundgebung gegen den Missbrauch des Blasphemieparagraphen nahmen in den vergangenen Wochen in Lahore zahlreiche Christen, Muslime und Hindus teil. Unter den Demonstranten waren auch Vertreter der Partei “Pakistan Tehreek-e-Insaf” ( PTI ), die daran erinnerten, dass die Blasphemie-Urteile meist Unschuldige treffen.
In der vergangenen Woche hatte erwähnte der britische Premierminister David Cameron anlässlich des Besuchs des pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif in London das Problem der Blasphemie-Gesetze in Pakistan und dessen schädliche Auswirkung auf das internationale Image des Landes.
Wie aus offiziellen Daten hervorgeht, wurden in den vergangenen 15 Jahren in Pakistan insgesamt 1.274 auf der Grundlage des Blasphemieparagraphen angeklagt, während es in den Jahren zwischen 1929 und 1982 zu den neun solchen Fällen gab. Wie aus dem jüngsten bericht der US-amerikanischen Menschenrechtskommission hervorgeht (USCIRF) warten in Pakistan derzeit insgesamt 14 wegen Blasphemie verurteilte Angeklagte auf die Vollstreckung des Todesurteil. Insgesamt 19 wurden wegen Blasphemie zu lebenslanger Haft verurteilt. (PA) (Fides 5/5/2014)

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