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Asia

2003-07-07

ASIEN/PAKISTAN - ABSCHIED VON PATER IBRAHIM: AUCH MUSLIME SPRECHEN IHR BEILEID AUS, WÄHREND CHRISTEN NEUE ANSCHLÄGE DER FUNDAMENTALISTEN ERWARTEN

Faisalabad (Fidesdienst) – „Wir Christen sind friedliche Menschen. Die Menschen, kennen uns und respektieren uns dafür. Wir bitten die weltlichen Behörden, Maßnahmen gegen den Fundamentalismus zu ergreifen, der uns bedroht und sicherzustellen, dass die Verantwortlichen für den Mord an Pater Georg Ibrahim der Justiz übergeben werden. Wir werden unsere Mission weiterführen und nach dem Willen Gottes vom Evangelium Zeugnis ablegen“, so Bischof Andrew Francis von Multan (Pakistan) in seiner Predigt zur Beerdigung von Pater George Ibrahim am Sonntag, den 6. Juli. Pater Ibrahim war am 5. Juli ermordet worden: sechs bewaffnete Männer waren in seiner Pfarrei von „Unserer Lieben Frau von Fatima“ in Renala Khurd im Verwaltungsdistrikt Okara (Diözese Faisalabad) eingedrungen.
Da sich Bischof Joseph Coutts von Faisalabad gegenwärtig im Ausland befindet, nahm an dem Begräbnis in Kushpur, dem Geburtsort von P. Ibrahim, Bischof Francis als Hauptzelebrant teil. Bei der Beerdigung waren rund 1.500 Gläubige anwesend, die zum Teil auch aus den Nachbardiözesen Lahore und Islamabad gekommen waren. Nach seiner Rückkehr wird Bischof Coutts am 18 Juli in der Pfarrei in Renala Khurd eine Gedenkmesse für den ermordeten Pfarrer feiern.
Pater Peter Semson, der Stellvertreter von Pater George Ibrahim, der ab heute die Leitung der Pfarrei übernimmt erklärt im Gespräch mit dem Fidesdienst: „Wir sind zutiefst erschüttert. Pater Ibrahim war eine sehr milde Person. Er hatte mir gesagt, dass er bereits in der Vergangenheit von Fundamentalisten bedroht worden war, vor allem nachdem die von den Franziskaner Missionsschwestern betrieben der Pfarrei angeschlossene Schule, die 1973 verstaatlicht worden wir, im Juli 2002 wieder an die Kirche zurückerstattet worden war“.
In der Pfarrei leben rund 500 katholische Familien. Die Gemeindepfarrer spenden die Sakramente und unterstützen die im Bildungswesen tätigen Schwestern. Außerdem besuchen sie angrenzende Dörfer, wo sie vor allem armen Menschen helfen. Pater Peter fährt fort: „Viele Menschen haben uns heute ihr Beileid ausgesprochen. Darunter waren auch viele Muslime. Gewiss, die Christen haben Angst. Doch wir müssen unsere Brüder und Schwestern dazu ermutigen, Zeugnis von der Geschwisterlichkeit abzulegen. Nun werde ich die Aufgabe weiterführen, die uns aufgetragen wurde und die Pater George Ibrahim stets mit treu und hingebungsvoll erfüllt hatte.“
Pater George Ibrahim war 38 Jahre alt. Er wurde in der Nacht des 5. Juli um 1.30 Uhr von drei Pistolenschüssen getroffen, nachdem sechs bewaffnete Männer in die Pfarrgebäude eingedrungen waren. Unter den Augenzeugen befindet sich auch sein junger Koch, der unverletzt ist: er ist davon überzeugt, dass es sich um einen absichtlichen Mord handelt. P. George war am 3. September 1993 zum Priester geweiht worden und stammt aus einer zutiefst katholischen Familie. Sein Vater Ibrahim war lange Jahre als Katechist ehrenamtlich in der Diözese Faisalabad tätig gewesen. Seine Schwester Angelina ist Ordenschwester des Dominikanerordens und Rektorin der Schule „vom Heiligen Herzen“ in Faisalabad.
Die Pfarrei „Unserer Lieben Frau von Fatima“ in Renala Khurd wurde 1947. Seit Anfang an gab es in der Pfarrei auch eine Niederlassung der Franziskaner Missionsschwestern, die ein Mädcheninternat, eine Krankenstation und eine weiterführende Schule für Mädchen betreiben, die von christlichen und muslimischen Mädchen besucht wird. (PA) (Fidesdienst 7/7/2003 – 43 Zeilen, 513 Worte)

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