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2013-08-26

ASIEN/SYRIEN - Pater Paolo Dall’Oglio: eine schwierige Mission im unruhigen Kontext von Raqqa

Raqqa (Fidesdienst) – Im Zusammenhang mit dem Schicksal des vor einem Monat verschleppten italienischen Jesuitenpaters Paolo Dall’Oglio herrscht Schweigen. Wie einheimische Beobachter dem Fidesdienst berichten soll unterdessen das mit der syrischen Opposition in Verbindung stehende „Free Youth Committee“ die Suche nach dem vermissten Ordensmann fortsetzen.
Der Jesuitenpater war Ende Juli mit Unterstützung kurdischer Kämpfer über die Grenze Tell Abiad in das Land gekommen. Er wollte zwischen kurdischen und arabischen Kämpfern vermitteln und die Einheit in den Reihen der syrischen Opposition fördern. Eine schwierige und unter gewissen Gesichtspunkten fast unmögliche Mission.
Die Eroberung Raqqas durch die Opposition im März 2013 gelang mit Unterstützung des Anführers des arabischen Stammes der „Avadilat“, Scheich Muhammad Faycal al-Houeidi, der mit Verbindungen zu Saudiarabien unerhalten soll. Der politisch aktive Scheich hatte Raqqa zur „ersten unabhängigen Stadt der syrischen Revolution“ erklärt. Die Einnahme der Stadt durch die „Free Syrian Army“ (FSA) soll jedoch auch von der Gruppe „Jabhat al-Nusra“ unterstütz worden sein, die sich von der Hauptgruppe der Rebellen getrennt hatte. Pater Dall’Oglio versuchte in dieser schwierigen Situation, mit drei untereinander rivalisierenden Gruppierungen „eine Kommunikation mit islamistischen Milizionären herstellen“.
Zwischen dem 29. Juli und dem 5. August, dem Tag seines Verschwindens, kam es in Raqqa zu heftigen Ausschreitungen mit Toten und Verletzten, zwischen den Kämpfern der FAS und islamistischen Gruppen, was von existierenden Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen der syrischen Rebellion schließen lässt.
Die islamistische Jabhat al-Nusra soll dem Dialog mit dem italienischen Jesuitenpater zugestimmt haben. Doch deren Grundidee der Gründung eines „islamischen Staates“ ist nicht mit den Prinzipien der FSA vereinbar. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt nahm Pater Dall’Oglio an einem Essern mit Scheich Muhammad Faycal al-Houeidi teil, wo er über seine Anliegen sprach, und Verhandlungen auf den Weg bringen wollte. In den Tagen zuvor hatte der Jesuit an einer Kundgebung der Jugendlichen Der FSA teilgenommen, wo er erneut für die Revolution und deren Ideale eintrat. Dies könnte zu Unmut unter den islamistischen Fraktionen geführt haben, die ihn als Verbündeten der FSA betrachten.
Es wird vermutet, dass er sich in Akarsheh, rund 20 Kilometer von Raqqa entfernt aufhalten könnte. „Doch was wir mit Sicherheit wissen ist nur, dass Pater Paolo sich in großer Gefahr befindet“, so die Jugendlichen aus Raqqa. (PA) (Fidesdienst, 26/08/2013)

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