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2013-06-05

ASIEN/PAKISTAN - Nawaz Sharif ist Premierminister: Christen fordern von der neuen Regierung Schutzmaßnahme für Opfer des Blasphemieparagraphen

Islamabad (Fidesdienst) - Nawaz Sharif von der „Pakistan Muslim League-Nawaz“ (PML-N) ist offiziell neuer Premierminister von Pakistan. Sharif wurde heute mit 244 Stimmen (von insgesamt 342 Sitzen im Parlament) in das Amt gewählt und wird gegenüber dem Präsidenten des Landes seinen Amtseid ablegen. Sharif wird damit nach dem Wahlsieg am 8. Mai als erster Regierungschef des Landes seine dritte Amtszeit antreten, nachdem er die Regierung bereits von 1990 bis 1993 und von 1996 bis 1999 leitete.
Die christlichen Minderheiten des Landes sind skeptisch. „Nawaz Sharif ist ein Konservativer und Fundamentalist. Wir dürfen uns von ihm nicht viel erwarten. In der Vergangenheit hat er religiös geprägten muslimischen Parteien immer viel Raum gegeben“, so Pfarre Bonnie Mendes aus Faisalabad zum Fidesdienst. Unterdessen sei „eine Änderung des Blasphemieparagraphen ist für jeden nicht einfach durchzusetzen“, so der katholische Geistliche zu einem Problem, das Christen in Pakistan betrifft, „was wir fordern können, ist die Bestrafung von falschen Anklagen und dass von den Moscheen aus nicht weiter zu Hass aufgerufen wird. Das wäre für uns bereits eine Erleichterung“.
Der Dominikanerpater James Channan vom „Peace Center in Lahore“ ist hingegen „vorsichtig optimistisch“: „Es stimmt“, so der Ordensmann zum Fidesdienst, „dass Sharif in der Vergangenheit auch das Entstehen religiöser und gewaltbereiter Parteien gefördert hat und dass er während seines zweiten Mandats eine islamistische Agenda verfolgte. Die war für religiöse Minderheiten nicht von Vorteil. Doch heute ist die Lage anders. Die Menschen haben unter der Regierung der Pakistanischen Volkspartei (PPP) viel leiden müssen, vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten und weil die Stromversorgung nicht gesichert ist und Inflation, Arbeitslosigkeit und Korruption weit verbreitet sind. Die Menschen haben die PML-N gewählt, weil sie in Nawaz Sahrif einen Mann sehen, der die Wirtschaft wieder in Schwung bringt.“
„Es mag überraschen“, so P. Channan weiter, „dass in vielen Städten Christen Nawaz Sharif gewählt haben, wie zum Beispiel in Lahore, Faisalabad, Okara, Renala Khurd und Multan in der Provinz Punjab. Man hofft, dass der neue Premierminister seine Einstellung zu radikalisalmischen Gruppen ändert und sich auf wirtschaftliche Fragen konzentriert, damit es den Menschen besser geht“.
„Bisher hat keine Regierung den Blasphemie-Paragraphen geändert“, so der Dominikanerpater, „da Islamisten Druck ausübten. Die letzte Regierung hat den Gouverneur Salam Taseer und unseren katholischen Minister Shabaz Bhatti verloren, die sich für eine Änderung des Gesetzes eingesetzt hatten. Ich glaube, dass keine Regierung dieses Gesetz abschaffen wird, trotzdem sollten Schutzmaßnahmen für die Angeklagten ergriffen werden. Darum werden wir die neue Regierung bitten.“ (PA) (Fidesdienst, 05/06/2013)

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