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2013-05-13

AFRIKA/ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK - Missionar: „Zentralafrika könnte ein neuer Stützpunkt von Al-Qaida werden“

Bangui (Fidesdienst) – „Es besteht die Gefahr, dass die Zentralafrikanische Republik zu einem neuen Stützpunkt von Al-Qaida wird“, so der in Prag tätige Karmeliter Missionar P. Anastasio Roggero, wenige Tage nach seiner Rückkehr aus der Zentralafrikanische Republik. „Ich war dieses mal nur wenige Tage im Land, aber ich bin in der Zentralafrikanischen Republik seit 1975 tätig und kenne das Land sehr gut.“ Seitdem das Rebellenbündnis Seleka den ehemaligen Präsidenten Francois Bozize aus dem Land vertrieben und sich deren Anführer Michel Djotodia selbst zum neuen Präsidenten proklamiert hat, herrscht in der Zentralafrikanischen Republik Chaos. „Meine Befürchtung basiert darauf“, so P. Anastasio, „dass die Zentralafrikanischen Republik ein Land ist, das fünfmal so groß ist wie Frankreich, wo aber nur 5 Millionen Menschen leben. Wer kontrolliert das Land, nachdem nun die wenigen Verwaltungseinrichtungen zerstört wurden? Wir befinden uns im Zentrum Afrikas und die Gefahr, dass sich hier eine Terrororganisation niederlässt ist meiner Meinung nach sehr reell.“
Diese Gefahr sei umso größer als die Mitglieder der Seleka bereits ein christenfeindliches Verhalten an den Tag legten, was es bisher im Land nicht gegeben habe. „Ich habe die Aufstände der Armee in den Jahren 1996,1997 und 1998 miterlebt und die Rebellion in den Jahren 2001 und 2002-203, doch was heute geschieht, übertrifft jede Krise, die es im Land bisher gegeben hat“, so der Missionar.
P. Anastasio zitiert in diesem Zusammenhang einen Bericht des Kapuziner Missionars P. Valentino: „Seine Mission in Gofo im Norden an der Grenze zum Tschad wurde völlig verwüstet. Die Rebellen kamen und schossen wild um sich und P. Valentino und seine Mitbrüder mussten sich unter den Betten verstecken. Nachdem die noch übrig gebliebenen Sicherheitskräfte eingriffen, wurden sie von diesen in das 800 Kilometer entfernte Bangui begleitet“. „Pater Valentin ist 78 Jahre alt und lebt seit 52 Jahren in Afrika: er lässt sich nicht entmutigen, sondern ist sich sicher: wir stehen wieder auf!“, fügt P. Anastasio hinzu.
„Während in Bangui alles dafür getan wird, damit sich die Sicherheitslage verbessert und inzwischen auch das Gymnasium „Charles De Gaulle“ wieder eröffnet wurde, ist in anderen Landesteilen die Situation noch sehr prekär“, so P. Anastasio weiter, „Die Rebellen, die mehrheitlich aus dem Sudan und aus dem Tschad kommen, verlangen Geld von den armen Menschen, die selbst nichts haben. Deshalb plündern sie den kleinen Besitz dieser Menschen und nehmen manchmal sogar die Kleider mit, die sie am Leib tragen. Zentralafrika ist ihre Kriegesbeute, die sofort in den Tschad gebracht wird. Denn oft handelt es sich gar nicht um Rebellen, sondern um Söldner, die mit der Beute aus den Plünderungen bezahlt werden.“
P. Anastasio befürchtet angesichts der von den Rebellen der Seleka hinterlassenen umfassenden Verwüstung (zum Teil wurden auch Register von Einwohnermeldeämtern und Pfarreien vernichtet), dass „diese Zerstörung der Einführung des Islam dienen soll“.
„Die Männer der Seleka haben alle staatlichen Einrichtungen verwüstet: Schulen, öffentliche Gebäude, Gesundheitseinrichtungen. Wie kann man glauben, dass unter solchen Bedingungen eine staatliche Verwaltung die Arbeit wieder aufnehmen kann?“, fragt sich der Missionar abschließend. (LM) (Fidesdienst, 13/05/2013)

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