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2013-03-09
ASIEN/PAKISTAN - Angebliche Blasphemie: hundert Wohnungen von Christen in Lahore in Brand gesteckt, ein Bischof verletzt
Lahore (Fidesdienst) – Rund 3.000 aufgebrachte Muslime überfielen am heutigen 9. März Wohnungen von rund hundert christlichen Gläubigen im Stadtviertel Badami Bah in Lahore in Brand gesteckt. Auslöser für den Überfall war ein Fall angeblicher Blasphemie. Die aufgebrachte Menschenmenge schmiss auch mit Steinen auf die Polizei, wobei mehrere Beamte verletzt wurden, die vor Ort eingreifen wollten, um die Lage zu beruhigen. Wie aus ersten Informationen hervorgeht sollen dabei zwischen 120 und 140 Christen Brandverletzungen erlitten haben (darunter Männer, Frauen und Kinder). Einige davon werden in Krankenhäusern behandelt. Unter den Verletzten befindet sich auch der Bischof Akram Gill, von der evangelisch-christlichen Kirche in Pakistan, der ebenfalls vor Ort die Lage beruhigen wollte.
Bereits, gestern Abend nach dem islamischen Freitagsgebet wurde mit der „Jagd auf den der Blasphemie beschuldigten“ begonnen, was dazu geführt hatte, dass rund 150 Familien des Stadtviertels, darunter Kinder und Frauen auf der Flucht vor Lynchjustiz aus dem Viertel flohen.
Der angeblichen Blasphemie wird der Christ Savan Masih (auch „Bubby“ genannt) beschuldigt, den die Polizei vor zwei Tagen festnahm, nachdem auf der Grundlage des Artikels Nr. 295c des pakistanischen Strafgesetzbuchs (der so genannte Blasphemieparagraph), der die Beleidigung des Propheten Mohammed bestraft, angezeigt worden war.
Wie Beobachter dem Fidesdienst berichten, ist die Anklage wegen Blasphemie falsch. Chandar Mashi, der Vater des Beschuldigten, dementiert, dass sein Sohn den Propheten beleidigt hat. Er habe den Propheten immer zutiefst verehrt.
Der Apostolische Administrator von Lahore, Bischof Sebastian Shaw (ofm), erklärt im Gespräch mit dem Fidesdienst: „Wir verurteilen solche Gesten der Gewalt und bitten die Regierung um Garantien für die Sicherheit der Bürger, insbesondere der religiösen Minderheiten. Es gibt Personen, die Selbstjustiz verüben wollen und glauben, dass die Gesetze für sie nicht gelten. Diese Episode, von der unsere Stadt betroffen ist, ist sehr traurig. Die Menschen sind in ihren eigenen Wohnungen nicht sicher. Wir sprechen den betroffenen Familien unsere Solidarität und Verbundenheit aus. Mitarbeiter der Caritas sorgen bereits dafür, dass Betroffenen Unterkunft finden. In diesem Land muss noch viel getan werden, damit es Frieden und Harmonie geben kann“.
Der Justizminister der Provinz Punjab. Rana Sanaullah, betont unterdessen: „Es gibt überhaupt keinen Grund für diese Gewalt, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Beschuldigte bereits festgenommen wurde.“ „Wir werden Ermittlungen im Zusammenhang vandalischen Handlungen auf den Weg bringen“, so der Minister weiter, „und alle, die betroffen sind, werden innerhalb von fünf Tagen Schadenersatzzahlungen für die an ihrem Besitz verursachten Schäden erhalten“. (PA) (Fidesdienst, 09/03/2013)
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