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Asia

2013-01-23

ASIEN/IRAK - Appell des chaldäischen Erzbischofs Louis Sako: „Welche Zukunft haben Christen im Nahen Osten?“

Kirkuk (Fidesdienst) – Die Situation im Nahen Osten „ist besorgniserregend, wie dies auch die Aussagen gewisser Führungskräfte im Hinblick auf den arabischen Frühling sind“, so der chaldäische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, in einem Appell für die Christen im Nahen Osten, der dem Fidesdienst vorliegt. In diesem Zusammenhang wünscht sich der Erzbischof auch eine Initiative des Heiligen Stuhls und der Weltkirche zur Mobilisierung der internationalen Staatengemeinschaft für die Christen in dieser Region.
Nach Ansicht von Bischof Sako führen die „verschiedenen Ethnien, Religionen und Sprachen“, die im Nahen Osten zusammenleben, fataler Weise zu Spannungen und Konflikten, da es in dieser Region der Welt „nie ein gemeinsames Kriterium der Staatsbürgerschaft gegeben hat, das unabhängig von Religion oder Ethnie alle vereint“. Der heute im Irak stattfindende Prozess der Zersplitterung, den es in Zukunft auch in Syrien geben könnte, führt nach Ansicht des Erzbischofs zu einer „Zuspitzung der Lage“, denn angesichts eines institutionellen Machtvakuums sei die Sicherheit nicht mehr garantiert und es entstünden Freiräume für kriminelle Banden und Extremisten.
In einem solchen Kontext könne Ungewissheit rasch zu Angst werden. „Wir fragen uns, ob es noch möglich ist an ein harmonisches Zusammenleben zu denken, das diesen Namen verdient“, so der chaldäische Erzbischof, der dabei auch an die Diskriminierungen derjenigen erinnert, die nicht Anhänger der von ihm als solche bezeichneten „Staatsreligion“ sind. Diese Umstände werden nach Ansicht von Erzbischof Sako durch Strategien erschwert, die aus geopolitischen Interessen in der Region zum Tragen kommen: „Die internationale Staatengemeinschaft“, so der Erzbischof mit Bezug auf den syrischen Konflikt, „glaubt, dass die Situation sich bessern wird, wenn man ungewisse Programme unterstützt, die Demokratie mit Waffengewalt durchsetzen wollen! Das Ergebnis ist ein Konflikt zwischen einer bewaffneten Opposition und einem alles zerstörenden Regime!“.
Erzbischof Sako hofft, dass die Unterstützung der Kirche für Christen im Nahen Osten mehr und mehr konkrete Formen annimmt. „Es heißt, dass das Christentum hier aufgeblüht und die Präsenz der Christen wichtig sei“, so der Erzbischof von Kirkuk, „Doch man sagt nie, was uns konkret Hoffnung auf ein mögliches Standhalten machen soll“. Nach Ansicht des irakischen Kirchenvertreters, „verdienen diese Kirchen, die auf die Zeit der Apostel zurückegehn, eine angemessene Unterstützung durch die Weltkirche bei ihrer Sendung im Hinblick auf die Gemeinschaft und das Zeugnis“. Insbesondere schreibt der Erzbischof der Ostkirche dem Heiligen Stuhl dabei eine „ausschlaggebende Rolle“, wenn es darum geht „Christen die Möglichkeit eines Lebens im eigenen Land und eines Durchhaltens vor Ort zu geben.“ Doch auch die einheimischen Christen und die Muslime seien verantwortlich. Nach Ansicht von Erzbischof Sako sollten Christen im Nahen Osten sich „der Falle des Nationalismus“ entziehen und gegenüber den Mitmenschen immer wieder „die verschiedenen Formen der gelebten und vom Evangelium verkündeten Liebe“ bezeugen. Die nach Ansicht von Erzbischof Sako ideale Formel wäre dabei „ein positiver Säkularismus“, der „Religion respektiert und einen angemessenen Vision vom Menschen zum Ausdruck bringt“. Eine Vision, die zum Beispiel in der Erklärung zur Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanischen Konzils enthalten sei, was heißt, dass „die Menschenrechte nicht in der Luft hängen und mit den konkreten Personen, die darauf Anspruch haben, nichts zu tun haben“. (GV) (Fidesdienst, 23/01/2013)

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