AFRIKA/ÄGYPTEN - Koptisch-katholischer Bischof Kyrillos: katholische Bischöfe treffen Patriarch Tawadros übermorgen; Christen werden am Referendum teilnehmen und nach dem eigenen Gewissen entscheiden

Dienstag, 11 Dezember 2012

Kairo (Fidesdienst) – Das für heute geplante Treffen der katholischen Bischöfe mit dem koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. wurde auf übermorgen verschoben. Dies bestätigt der koptisch katholische Bischof von Assiut Kyrillos William, Patriarchalvikar der koptischen Katholiken, gegenüber dem Fidesdienst. „Bei dieser Gelegenheit, so der Bischof zum Fidesdienst, „werden wir uns auf eine gemeinsame Position zum Referendum einigen“. Der koptisch-katholische Bischof betont, dass die christlichen Kirchenvertreter auch angesichts der jüngsten Entwicklung der ägyptischen Krise eine gemeinsame Position vertreten haben. „Die Vertreter der katholischen Kirche“, so der Bischof zum Fidesdienst, „wurden zur Übergabe des Verfassungsentwurfs eingeladen. Wir haben uns mit unseren koptisch-orthodoxen und protestantischen Mitbrüdern beraten und beschlossen nicht hinzughehen. Dasselbe gilt für die Einladung des Präsidenten an die Kirchenvertreter, in den Dialog zwischen den sozialen Parteien und der Opposition einzugreifen. Mit Blick auf das Referendum warten wir ab, was Tawadros sagen wird. Wir warten auch ab, was heute geschieht, nachdem gleichzeitig die Opposition und die Anhänger der neuen Verfassung öffentliche Kundgebungen angekündigt haben“.
Nach Ansicht des Bischofs von Assiut entspricht der Verfassungsentwurf allerdings nicht dem Wunsch aller Ägypter, sondern nur den hegemonistischen Bestrebungen einer Partei: „Angesichts eines solchen Szenariums gibt es Aufrufe zum Boykott des Referendums und Aufrufe, mit ‚Nein’ abzustimmen. Wir werden die Gründe der einen und der anderen hören und versuchen zur Gewissensbildung beizutragen. Doch ich denke, dass wir als Kirchen keine Vorschriften machen werden“.
Nach Ansicht von Bischof Kyrillos werden auch die führenden Kirchenvertreter der koptisch-orthodoxen Kirche ähnlich handeln. Dies entspreche einer neuen Haltung der Bischöfe und Gläubigen zur Politik: „Auch unserer koptisch orthodoxen Brüder haben aus der Vergangenheit gelernt. Patriarch Tawadros antwortete auf die Aufforderung der Behörden den nationalen Dialog zu unterstützen, dass die Kirche eine religiöse Institution sei und der politische Dialog eine Angelegenheit politischer und sozialer Gruppen sei. Ich sehe darin einen lobenswerten Bruch mit der Vergangenheit. Sein Vorgänger, Papst Shenouda hatte ein Charisma auch unter politischen Gesichtpunkten, und die wurde bei seinen Auseinandersetzungen mit den ägyptischen Präsidenten sichtbar. Doch es führte auch auf politischer Ebene zu einer gewissen Abhängigkeit der Gläubigen von der Kirchenführung, wenn er sich in ihrem Namen äußerte. Mit der Revolution vom 25. Januar wurden auch koptische Christen zu Hauptakteuren der politischen Entscheidungen und nicht nur Ausführende der Anweisungen der Kirchenführung. Wir haben die Aufgabe, die Gläubigen an der Wahrheit auszurichten und müssen uns dabei Bewusstsein, dass Christen in der Politik Bürger wie andere sind und reif genug, ihre Entscheidungen frei zu treffen und dabei ihrem gut ausgebildeten und wachsamen Gewissen zu folgen. (GV) (Fidesdienst, 11/12/2012)


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