ASIEN/LIBANON - Patriarch Bechera Boutros Rai: angesichts der derzeitigen Veränderungen sollten auch Christen sich an der „arabischen Renaissance“ des 19. Jahrhunderts inspirieren

Dienstag, 4 Dezember 2012

Harissa (Fidesdienst) – Angesichts der großen Veränderungen im Nahen Osten sollten sich auch die Christen an der Nahda, die so genannte politische und kulturelle Renaissance der arabischen Völker im 19. Jahrhundert, inspirieren. Dies betont der maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai in seiner Eröffnungsansprache bei der Versammlung der Patriarchen und katholischen Bischöfe des Nahen Ostens am gestrigen 3. Dezember im „Haus Bethania“ in Harissa. Wie der Patriarchen der maronitischen Kirche, der beim Konsistorium am vergangenen 24. November von Papst Benedikt XVI. die Kardinalswürde erhielt, betont, sollten christliche Gemeinden im Nahen Osten „die Rechte und Pflichten der Christen angefangen bei einem Leben als Bürger der verschiedenen Länder leben und dort auch die Staatsbürgerschaft voll ausüben können, ohne als Minderheiten behandelt zu werden“. Christen im Nahen Osten, so das Oberhaupt der maronitischen Kirche weiter, „müssen mit ihren muslimischen Mitbürgern die verschiedenen Werte der Kultur teilen, wie dies während der Nahda im 19. Jahrhundert geschah. Insbesondere geht es dabei um die Glaubens- und Kultfreiheit.
Die Nahda ist ein vielschichtiges Phänomen der „Rückbesinnung“, das vor allem in der arabischen Elite verbreitet war, während das Osmanische Reich zu Ende ging und die westlichen Mächte versuchten die Hegemonie über den Nahen Osten zu erlangen. In diesem Kontext trugen auch die Christen – zum Beispiel mit arabischen Texten, die in christlichen Druckereien vervielfältigt wurden – in entscheidendem Maß zur kulturellen und politischen Neugeburt der arabischen Sprache und Literatur bei. Im Mittelpunkt der Tagung in Harissa, an der über einhundert Vertreter der katholischen Kirchen der Region teilnehmen – steht die Rezeption des nachsynodalen Apostolischen Schreibens „Ecclesia in Medio Oriente“. Die Versammlung tagt bis zum 6. Dezember. Gestern ergriff auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Gabriele Caccia das Worte, der in seinem Beitrag daran erinnerte, wie der jüngste Besuch von Papst Benedikt XVI. die „Lebendigkeit der christlichen Präsenz“ im Nahen Osten unter Beweis gestellt habe. (GV) (04/12/2012)


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