ASIEN/SYRIEN - Appell der Bischöfe an den Papst und an die Vereinten Nationen: Verhindert die uns drohende Katastrophe, Christen in Mesopotamien wollen nicht zu den Waffen greifen

Freitag, 23 November 2012

Kamishly (Fidesdienst) – Mit einem dringlichen Appell an den Papst und die Vereinten Nationen und an die Staatsoberhäupter aller Länder soll eine Katastrophe verhindert werden, von der sich die Menschen in der Region Mesopotamien zwischen den Flüssen Tigris und Euphrat im heutigen Syrien bedroht fühlen. Drei Bischöfe aus dieser Region lancieren ihren Appell über den Fidesdienst am Ende einer dreitägigen Fastenaktion mit der die Christen in der Region um das Geschenk des Friedens bitten.
Erzbischof Jacques Hindo von der syrisch-katholischen Eparchie Hassaké-Nisbi, beschreibt die Situation der Pfarrei der heiligen Petrus und Paulus in Kamishly am Rande des Abgrunds: „In den vergangenen Tagen waren Salafisten nach Ras al Ain eingedrungen, so dass 30.000 Menschen die Stadt verließen und zusammen mit rund 400.000 Flüchtligen aus Deir el Zor, Homs und Aleppo Zuflicht suchen. Zusammen mit den Kämpfern Free Syrien Army, die an der türkischen Grenze stationiert sind, könnten sie nun die Provinz Jazira und die Städte Hassaké und Kamishly zum Ziel haben. Sollte dies der Fall sein, wird die Armee Assads mit dem Bombenbeschuss beginnen, wie dies bereits in Ras al Ain geschah. Es wird ein Blutbad geben und rund 800.000 Menschen werden fliehen müssen und nicht wissen wohin“.
Der Erzbischof bemüht sich gemeinsam mit den andern Bischöfen – der syrisch-orthodoxen und der assyrischen Gemeinde – und einheimischen Vertretern anderer ethnischer und religiöser Gemeinschaften um Verhandlungen, damit eine weitere Tragödie verhindert werden kann. „Wir Christen“, so Erzbischof Hindo im Gespräch mit dem Fidesdienst, „versuchen zusammen mit Arabern und Kurden mit Briefen an die Free Syrian Army und an die salafistenischen Gruppen einen Angriff zu verhindern. Bisher erhielten wir nur die Antwort: wir warten auf den Befehl unserer Anführer. Damit wir dies alles verhindern können, wenden wir uns nun in einem dringlichen Appell an den Papst und die Verantwortlichen der Nationen und bitten sie um Druckausübung, damit bewaffnete Gruppen nicht in unsere Region vormarschieren. Ich wünsche mir, dass der Papst am Sonntag beim Angelusgebet darüber sprechen wird“.
Die Wege die die Region Mesopotamien mit Damaskus, Homs und Aleppo verbinden, sind bereits gesperrt. In den Städten kommt es immer wieder zum Zusammenbruch der Stromversorgung. Angesichts der ungewissen Situation bildeten die Einheimischen Volkskommitees, die die Sicherheit und die Versorgung in den Stadtvierteln und für die Flüchtlinge gewährleisten sollen. Im Gespräch mit dem Fidesdienst bekräftigt der Erzbischof, dass diese Volkskommitees sich bisher weigern, zu den Waffen zu greifen und als Selbstschutzmilizen aufzutreten. „Ich mir persönlich wurde vorgeschlagen“, so der Bischof abschließend, „700 Waffen in Hassakè und 1.000 Waffen in Kamishly zu verteilen. Dies habe ich kategorisch abgelehnt, wie alle Christen hier. Die Volkskommitees sind nicht bewaffnet und haben nichts mit der Regierung zu tun“. (GV) (Fidesdienst, 23/11/2012)


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