ASIEN/LIBANON - Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke im Libanon: christliche Politiker sollen sich die Worte des Papstes zu eigen machen

Donnerstag, 13 September 2012

Beirut (Fidesdienst) – „Alle politischen Führungskräfte scheinen sich auf eine stillschweigende Unterbrechung ihrer permanenten Konflikte geeinigt haben, um der Ankunft des Papstes freien Raum zu lassen und seine Worte zu hören“. Diesen Eindruck hat der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke im Libanon, Pfarrer Paul Karam. Wie der junge Geistliche betont „handelt es sich um eine wohltuende Denkpause, die wir alle brauchen: es müssen Räume für ein politisches Handeln entstehen, das tatsächlich dem Gemeinwohl dient und nicht nur ein Kampf zwischen den Fraktionen um die jeweilige Vormacht ist“. Der Leiter des Presseamts im Vatikan, P. Federico Lombardi, wiederholte mehrmals, dass Papst Benedikt XVI. nicht als „mächtiges politisches Staatsoberhaupt“ in den Libanon reist. Gerade deshalb wird er auch neue Wege des zivilen Zusammenlebens aufzeigen können: „Mit seiner einfachen und wesentlichen Lehre“, so Pfarrer Karam,“ zeigt Papst Benedikt XVI. allen, dass der Dialog stets möglich ist“.
Die geopolitische Position des Libanon stellt dieses Land in den Mittelpunkt zahlreicher Spannungen. „Wir befinden uns in der Mitte zwischen Syrien und Israel“, so Pfarrer Karam, „Wir könnten ein Land des Friedens sein, aber wir zahlen stets den Preis für politische und militärische Pläne, die in anderen Ländern entschieden wurden. Die großen politischen Spiele der Welt wirken sich stets gegen unser kleines Land aus. Doch auch deshalb, steht der Libanon, wie bereits Papst Johannes Paul II. sagte, stellvertretend für eine Botschaft: das Land kann allen zeige, dass gerade hier der Dialog das Zusammenleben zwischen unterschiedlichen Gruppen und Interessen möglich macht.“
Pfarrer Karam wünscht sich vor allem, dass christliche Politiker dem Papst aufmerksam zuhören und sich dessen Worte zu eigen machen: „Ihrer Berufung ist es, die eigene Taufe zu bezeugen, indem sie sich wie Kinder Gottes verhalten und die Lehre Jesu im Hinblick auf politische und zivile Institutionen befolgen“. Vor dem zerrissenen Szenarium im Nahen Osten wird der Papst die Christen dazu aufrufen, Zeichen der Versöhnung zu setzen. „Aus diesem Grund“, so Pfarrer Karam, „darf die Kirche nie als Partei auftreten. Die Kirche ist für alle und bemüht sich um das Wohl aller. Die eigene kirchliche Zugehörigkeit darf auch im Falle von Politikern nie instrumentalisiert werden und sich als Zugehörigkeit zu einem politischen Block äußern, der sich im Kampf mit anderen Fraktionen befindet. Wer dies tut, verkauft den Namen Christi und der Kirche im Dienst der eigenen miserablen Machtgeschäfte.“
Die Treue zu dieser Berufung, so Pfarrer Karam, führe auch angesichts der Machtkämpfe im Nahen Osten zu realistischem und weitsichtigem Denken. „In Syrien“, so P. Karam, „gibt es ein diktatorisches Regime. Doch die Entscheidung für einen bewaffneten Konflikt hat bisher dazu geführt, dass es Tote, Flüchtlinge, zerstörte Häuser und viel Leid gibt. Friede gründet auf Gerechtigkeit. So lange es im Nahen Osten keine Gerechtigkeit gibt, wird es auch keinen Frieden geben. Und es wird weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen autoritären Regime und Theokratien herrschen“. (GV) (Fidesdienst, 13/09/2012)


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