AFRIKA/MALI - „Die Einwohner des Landes betrachten die Zerstörung der Mausoleen in Tumbuktu als Verbrechen“

Montag, 2 Juli 2012

Bamako (Fidesdienst) – „Alle, angefangen bei den politischen Autoritäten bis hin zu den einfachen Bürgern, verurteilen die Zerstörung der Mausoleen in Timbuktu“, so der Sekretär der Bischofskonferenz von Mali, Pfarrer Edmond Dembele, zum Fidesdienst. Radikalislamische Gruppen, die den Norden Malis kontrollieren haben in Timbuktu Mausoleen und Gräber von muslimischen Heiligen verwüstet.
„Es handelt sich nicht um Gebäude, die wie es die Islamisten ausdrücken, verehrt werden, sondern um historische Denkmäler, die an einen Teil der Geschichte dieser Region erinnern. Ihre Verwüstung wird von allen als Verbrechen betrachtet. Außerdem spielen diese Monumente eine wichtige Rolle für den Fremdenverkehr in Mali. Deshalb kommt zu den historischen und künstlerischen Schäden auch noch der wirtschaftliche Schaden“, so Pfarrer Dembele.
Für die Attentate wird die islamistische Gruppe Ansar-Al-Dine verantwortlich gemacht, die zusammen mit der Al Kaida im Islamischen Magreb (AQMI) Teile des Nordens von Mali kontrolliert, aus denen sie die Rebellen der Nationalen Unabhängigkeitsbewegung für den Azawad (MNLA) vertrieben haben. Letztere baten unterdessen die internationale Staatengemeinschaft um Hilfe bei der Bekämpfung der Islamisten.
„Dieser Appell kommt etwas spät, denn nachdem die Islamisten die Region bereits besetzt haben, wird es schwer sein, diese zurückzuerobern“, so Pfarrer Dembele. „Es stimmt, dass die MNLA das Terrain gut kennt, aber die AQMI und andere Gruppen sind gut aufgestellt“.
Wie kommt es dann, dass die MNLA gegenüber der AQMI und der Ansar Al Dine Schwäche zeigt? „Entweder wurde die Stärke der MNLA überschätzt oder es wurden die Kräfte der AQMI und der Ansar Al Dine unterschätzt“, vermutete Pfarrer Dembele. „Die Islamisten wurden aus anderen Ländern der Region unterstützt, die ihnen die Eroberung der von der MNLA kontrollierten Gebiete ermöglicht haben. Die MLNA hat unterdessen die Zustimmung der Bevölkerung im Norden verloren, da man sie dafür verantwortlich macht, dass sie durch die Vertreibung der Soldaten der Regierungsarmee den Vormarsch der Islamisten ermöglicht haben. Auf der anderen Seite lehnen viele Einwohner der Region im Norden von Mali die Unabhängigkeit der Region ab. Dies führt dazu dass gewisse Bevölkerungsteile die Islamisten im Kampf gegen die MNLA unterstützen, weil sie die Unabhängigkeit nicht wollen, doch sie sehen dabei nicht die Gefahr, die von den Islamisten ausgeht, die die Scharia in ganz Mali einführen wollen.“
„Die MNLA verliert mit ihren Forderungen nach Unabhängigkeit Terrain“, so Pfarrer Dembele abschließend, „Deshalb könnte das Land theoretisch auch wieder zur Einheit zurückfinden, doch die Gefahr der Islamisten wird unterschätzt, auch wenn es die ersten Warnsignale gibt. Die Zerstörung der Mausoleen in Tumbuktu ist ein weiteres solches alarmierendes Signal, nachdem es bereits zu ersten Einschränkungen der Freiheit der Menschen in den von Islamisten kontrollierten Gebieten gekommen ist: es ist verboten fernzusehen, Musik zu hören und zu rauchen“. (LM) (Fidesdienst, 02/07/2012)


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