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Missionsgebetsmeinung

2012-05-31

„Dass Christen in Europa die eigene Identität wieder erkennen und mit neuem Schwung an der Verkündigung des Evangeliums mitwirken“ - Kommentar zur Missionsgebetsmeinung des Heiligen Vaters für den Monat Juni 2012

Vatikanstadt (Fidesdienst) – In den vergangenen Jahrzehnten kam es in den europäischen Ländern mit antiker christlicher Tradition zu einer ausgeprägten Identitätskrise. Auf politischer Ebene wollte man die christlichen Wurzeln Europas nicht berücksichtigen. Dies ist nicht nur ein Verrat an der geschichtlichen Wahrheit, sondern auch ein Versuch ein säkularisiertes Europa entstehen zu lassen, das keinen Bezug zu Gott in den Verfassungen und im öffentlichen Leben der Bürger hat. Es kann jedoch nicht geleugnet werden, dass Europa, wie Papst Johannes II. betonte „weitläufig und tiefgreifend vom Christentum durchdrungen worden“ ist. (vgl. Ecclesia in Europa, 24).
Mehr noch als äußere Faktoren, geben interne Schwierigkeiten in der Kirche Anlass zur Sorge. Viele getaufte Katholiken in Europa leben ihren Glauben nicht im Alltag und es scheint, als ob dieser von der allgemeinen Atmosphäre der Säkularisierung erdrückt worden ist. In dem Apostolischen Schreiben erinnern die Synodenväter an, „den Verlust des christlichen Gedächtnisses und Erbes, der begleitet ist von einer Art praktischem Agnostizismus und religiöser Gleichgültigkeit, weshalb viele Europäer den Eindruck erwecken, als lebten sie ohne geistigen Hintergrund und wie Erben, welche die ihnen von der Geschichte übergebene Erbschaft verschleudert haben (Ecclesia in Europa, 7).
Trotz aller tatsächlich existierenden Schwierigkeiten, bleibt Jesus Christus weiterhin unsrer Hoffnung. Ein Leben ohne Gott ist ein Leben ohne Hoffnung. Aus diesem Grund ist die Kirche überzeugt und gewiss, dass sie Jesus Christus mit Leidenschaft unter den Zeitgenossen verkünden muss.
Die Schwierigkeiten, mit denen sich die Kirche in einer säkularisierten Welt konfrontiert sieht, sind für sie auch Ansporn zu konsequentem und authentischem Handeln. Es ist klar, dass das Evangelium dort überzeugender ist, wo es tatsächlich gelebt wird. Wir dürfen uns nicht von der Angst vor Angriffen und Fragen lähmen lassen, die den Glauben in Frage stellen. Im ersten Brief des Apostels Paulus heißt es: „Aber auch wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müsst, seid ihr selig zu preisen. Fürchtet euch nicht vor ihnen und lasst euch nicht erschrecken, sondern haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt (1 Pt 3, 14-15). Jesus Christus ist immer noch die einzige Quelle der Hoffnung für die Menschen und die Kirche ist der Kanal, über den seine Gnade zu den Menschen der heutigen Zeit gelangt.
Papst Benedikt XVI. erinnerte bei seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela (Spanien) daran, dass Gott vor allem im 19. Jahrhundert als Gefahr für die menschliche Freiheit dargestellt wurde, um den biblischen Glauben an jenen Gott zu verschleiern, der seinen Sohn auf die Welt geschickt hat. Der Papst fragte sich: „Wie ist es möglich, daß über diese erste und wesentliche Wahrheit des menschlichen Lebens in der Öffentlichkeit geschwiegen wird? Wie kann das, was im Leben am meisten maßgebend ist, in die bloße Privatsphäre verwiesen oder in den Halbschatten verbannt werden? Wir Menschen können nicht im Finstern leben, ohne das Licht der Sonne zu sehen. Und wie ist es nun möglich, daß Gott, der Sonne des Verstandes, der Kraft des Willens und dem Magnet unserer Herzen, das Recht abgesprochen wird, dieses Licht anzubieten, das jede Finsternis vertreibt? Es ist deshalb notwendig, daß der Name Gottes unter dem Himmel Europas freudig wieder erklingt; daß dieses heilige Wort nie achtlos ausgesprochen wird; daß es nie verdreht wird und für ihm fremde Zwecke verwendet wird. Es muß heilig ausgesprochen werden. Es ist erforderlich, daß wir es so im täglichen Leben, im Schweigen der Arbeit, in der brüderlichen Liebe und in den Schwierigkeiten, die die Jahre mit sich bringen, wahrnehmen. (Predigt in Santiago de Compostela, 06/011/2010).
Wir haben es uns nicht ausgesucht, in diesem historischen Moment zu leben. Der Herr will uns hier und heute als zeugen seiner Liebe zu den Menschen. Wir dürfen uns nicht der Versuchung des Aktivismus hingeben, sondern wir sollen dem Beispiel Mariens folgen und eine innere Beziehung zu Christus pflegen. Papst Paul VI. betonte, dass der heutige Mensche lieber Zeugen als Lehrer hört oder wenn er Lehrern zuhört, dann sollten diese auch Zeugen sein. Möge der heilige Geist uns zu glaubwürdigen und mutigen Zeugen unseres Glaubens in diesem Europa machen, dass diesen Glauben dringend braucht, damit wir verkünden, dass Jesus Christus der Einzige ist, der Worte des ewigen Lebens hat. (Fidesdienst, 31/05/2012)

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