AMERIKA/HAITI - Apostolischer Nuntius in Haiti: “Zwei Jahre nach dem Erdbeben leben immer noch 600.000 Menschen in Zelten, darunter auch unsere Seminaristen”

Donnerstag, 12 Januar 2012

Port au Prince (Fidesdienst) – Vor genau zwei Jahren, am 12. Januar 2010, wurde Haiti von einem verheerenden Erdbeben verwüstet. Damals berichtete der Apostolische Nuntius in Haiti, Erzbischof Bernardito Auza, dem Fidesdienst noch bevor Journalisten vor Ort erste Informationen über die Medien verbreiten konnten, dem Fidesdienst von dem furchtbaren Ereignis (vgl. Fidesdienst vom 13/01/2012). Zwei Jahre nach dem Erdbeben bat der Fidesdienst den Nuntius erneut um einen Bericht zur derzeitigen Lage.
“An erster Stelle möchte ich betonten, dass es nicht einfach ist, sich von einer solchen Naturkatastrophe zu erholen, und umso schwieriger ist der Weideraufbau nach dem Erdbeben, das Haiti am 12. Januar 2010 erschütterte”, so der Apostolische Nuntius. “Ich möchte hinzufügen, dass der Wiederaufbau auf Haiti besonders schwierig und teuer ist, weil alles importiert werden muss, sogar der Sand. Zudem gestaltet sich die Frage der Beziehungen zwischen den Geldgebern und den haitianischen Instanzen schwierig. Das Mandat der Kommission für den Wiederaufbau in Haiti endete am vergangenen 21. Oktober, so dass es derzeit keine Struktur oder Institution gibt, die die Arbeiten leitet oder koordiniert. Das Parlament hat sich noch nicht mit dieser Frage befasst und die Frage steht nicht auf dem Programm der Gesetzgeber. Deshalb ist das Thema der Verwaltung der Fonds und insbesondere der Zuständigkeiten im Hinblick auf die Kontakte derzeit sehr umstritten.”
“Insgesamt leben auch heute immer noch 600.000 Menschen in Zelten”, so der Erzbischof weiter, “Auch unsere Priesteramtskandidaten sind in Zelten untergebracht. Einige öffentliche Plätze wurden unterdessen bereits vollständig geräumt, wie zum Beispiel der große “Place Sainte Pierre” in Petionville. Die Kirche brachte Dutzende Wiederaufbauprojekte auf den Weg, doch die technischen Vorbereitungen sind lang und schwierig. Zudem muss man die Frage der Gelder und der Prioritäten berücksichtigen. Es gibt zum Beispiel Projekte, die fast fertiggestellt sind, aber nicht als vorrangig gelten, während bei Projekten, die als Priorität gelten, noch nicht einmal die Vorbereitungsphase abgeschlossen ist. Der Wiederaufbau der beiden Seminare für Philosophie und Theologie gehört zu den absoluten Prioritäten, doch das Projekt kommt nicht voran, weil die Frage des Grundbesitzes noch nicht abschließend geklärt ist. Denn die Priesterseminare sollen nicht dort wieder aufgebaut werden, wo sie sich vorher befanden”.
“Unterdessen existieren die schwerwiegenden Probleme, mit denen sich Haiti bereits vor dem Erdbeben konfrontiert sah, auch heute weiter”, beklagt Erzbischof Auza, “An erster Stelle ist dies die materielle und soziale Armut, die weit verbreitet ist. Viele Kinder besuchen keine Schule oder Eltern haben Schwierigkeiten, das Schulgeld zu bezahlen, da sich nur bei 10% der Schulen um staatliche Einrichtungen handelt und die restlichen 90% Privatschulen sind”.
“Erzbischof Guire Poulard von Port-au-Prince wandte sich unterdessen in einer Botschaft an die Bürger des Landes, in der er den Menschen Mut machte und sie aufforderte der Toten zu gedenken aber auch die Situation selbst in die Hand zu nehmen, nach dem Motto: ‘Der Wiederaufbau muss haitianisch sein, ansonsten wird es keinen Wiederaufbau geben!’”, betont der Apostolische Nuntius, “Unterdessen verliert auch die katholische Kirche nicht den Mut: sie wird sich auch in Zukunft stets auf die Seite der Kleinen und Armen stellen”.
Abschließend erinnerte der Nuntius an verschiedene Initiativen, die zum Jahrestag des Erdbebens stattfinden, darunter die Eröffnung der Abteilung für Neugeborene im katholischen Kinderkrankenhaus "Saint Damien", dessen Wiederaufbau vom römischen Kinderkrankenhaus “Bambino Gesù” unterstützt wurde, “das heißt vom Vatikan und damit vom Heiligen Vater” und die Eröffnung der Universität “Henri Christophe” im Norden des Landes, die mit Spenden aus der Dominikanischen Republik entstand.. (CE) (Fidesdienst, 12/01/2012)


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