ASIEN/IRAK - Delegation der deutschen Bischöfe: „Friedensarbeit und Arbeitsplatzbeschaffung“ müssen im Vordergrund stehen

Samstag, 18 Juni 2011

Erbil (Fidesdienst) – Angesichts der schwierigen Lage, in der Christen im Irak befinden, wo „der Exodus der Christen anhält“, müssen vor allem „Friedensarbeit und Arbeitsplatzbeschaffung“ in den Vordergrund gestellt werden: so Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg im Gespräch mit dem Fidesdienst. Der Erzbischof leitet eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die vom 13. bis 18. Juni den Irak bereiste. Erzbischof Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der DBK, kündigt im Gespräch mit dem Fidesdienst an, dass die Deutsche Bischofskonferenz die katholische Kirche im Irak insbesondere durch die Einrichtung von Berufsschulen unterstützen wird und die Schaffung eines Büros in Erbil plant, das mit Unterstützung von Experten aus dem Ausland Entwicklungsprojekte für Christen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich auf den Weg bringen soll.

Exzellenz, wie beurteilen Sie nach Ihrem Besuch die Situation der Christen im Irak?

Die Situation der Christen ist in den verschiedenen Regionen des Landes unterschiedlich. In Städten wie Mossul und Bagdad kommt es vor dem Hintergrund einer allgemeinen Kriminalität zu Attentaten und Episoden der Verfolgung, die oft mit Erpressung und Diskriminierung einhergeht. Man kann also nicht von einer „allgemeinen Verfolgung“ sprechen, sondern vielmehr von bestehenden Schwierigkeiten und Notsituationen. In Kurdistan (im Norden des Landes) herrschen hingegen Frieden und Sicherheit, weshalb viele Christen aus dem Süden im Norden Zuflucht suchen. Doch viele leben auch dort in Notsituationen, da sie oft nicht das Nötigste zum Überleben haben, so dass sie nicht selten eine Auswanderung in Erwägung ziehen: auch aus diesem Grund hält der Exodus der Christen an, so dass die irakischen Bischöfe sich Sorgen machen, weil viele Christen das Land Abrahams verlassen.

Was tut die Regierung und was kann man von den Behörden verlangen?

Wir haben Gespräche mit verschiedenen Ministern geführt, die sich interessiert gezeigt haben und uns versprachen, sich für den Schutz der Christen einzusetzen. Ich glaube dass wir, wenn wir der Auswanderung Einhalt gebieten wollen, Friedensarbeit und Arbeitsplatzbeschaffung in den Vordergrund stellen müssen, denn nur so können wir Überlebensperspektiven und Wohlstand garantieren. Damit Arbeitsplätze entstehen können, müssen zunächst Fachkräfte ausgebildet werden: deshalb wollen wir als deutsche Kirche diesen Sektor konkret unterstützen und damit den Ortskirchen im Irak helfen.

Wie soll diese Hilfe konkret aussehen?

Die Deutsche Bischofskonferenz wird die katholische Kirche im Irak in Zusammenarbeit mit Caritas und Misereor vor allem durch die Einrichtung von Berufsschulen zur Ausbildung von Fachkräften für den Agrarsektor, das Bauwesen, den Fremdenverkehr und das Hotelfach unterstützen. Wir sind der Ansicht, dass wir auf diese Weise der Ortskirche dabei helfen können, Zukunftsperspektiven für Christen und für das ganze Land zu schaffen. Dazu planen wir auch die Eröffnung eines entsprechenden Büros in Erbil, das die kirchlichen Entwicklungsprojekte koordinieren soll. Das Büro wird mit ausländischen Experten zusammenarbeiten, wenn es um die Prüfung der jeweiligen Lage vor Ort und die Verwirklichung von Hilfsprojekten für Christen geht. Bischöfe und Gläubige im Irak haben viel guten Willen, doch sie sind auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen: hier liegt unsere Aufgabe.

Fanden im Rahmen Ihres Besuchs auch Begegnungen mit muslimischen Religionsvertretern statt? Wird der interreligiöse Dialog auch künftig eine Herausforderung bleiben?

Wir haben Gespräche mit muslimischen Religionsführern geführt, die sich sehr dialogbereit gezeigt haben. Im Verlauf unseres Gesprächs wiesen sie jedoch auch darauf hin, dass nicht nur Christen Opfer radikalislamischer Gewalt werden, weshalb man sich mit vereinten Kräften für die Bekämpfung des Radikalismus einsetzen müsse, denn es gebe in der Tat auch radikale muslimische Religionsvertreter, die eine Islamisierung der Gesellschaft vor Augen haben. Deshalb wird der interreligiöse Dialog auch künftig eine Herausforderung bleiben: er ist, wie auch die irakischen Bischöfe betonten, der einzige mögliche Weg, weshalb wir alle unsere Energien in diesen Dialog investieren sollten.

Welche Hoffnung gibt es Ihrer Meinung nach für die Christen im Irak?

Es gibt Hoffnung, denn als Christen vertrauen wir zunächst einmal auf den Beistand Gottes. Im übrigen betonen auch die Politiker des Landes, dass Christen für die Zukunft der Nation wichtig sind, da sie für bestimmte Werte und insbesondere für einen Humanismus stehen, der den verschiedenen religiösen und sozialen Gruppen des Landes dabei helfen kann, eine Gesellschaft im Zeichen der Harmonie, der Gerechtigkeit und der Geschwisterlichkeit entstehen zu lassen. (PA) (Fidesdienst, 18/06/2011)


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