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Africa

2003-06-26

AFRIKA/LIBERIA - EIN MISSIONAR BERICHTET AUS DER UMKÄMPFTEN HAUPTSTADT: „DIE LIBERIANER HOFFEN AUF EIN EINGREIFEN DER INTERNATIONALEN STAATENGEMEINSCHAFT“

Monrovia (Fidesdienst) – „Die Liberianer können nur auf ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft hoffen“, so ein Missionar aus Monrovia, dessen Namen wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen, gegenüber dem Fidesdienst. Seit Tagen stehen sich in verschiedenen Teilen der Stadt die Soldaten der regulären Streitkräfte unter Staatspräsident Charles Taylor und die Rebellen der LURD gegenüber. „Nach heftigen Gefechten am Mittwoch, hatte sich die Situation am Donnerstag etwas beruhigt“, so der Missionar. „Doch wir machen uns keine Illusionen: es handelt sich nur um eine Atempause und um die Konsolidierung der Positionen. Zivilisten werden weiterhin geplündert.“
Nach Schätzungen haben bereits 200.000 ihre Wohnungen verlassen; viele suchen Zuflucht in den Botschaften oder versuchen dort ein Ausreisevisum zu bekommen.
„Es ist an der Zeit, dass die internationale Staatengemeinschaft eingreift, damit wenigstens die gegnerischen Gruppen getrennt und weitere Gewalt verhindert werden kann“, so der Missionar. „Die Menschen sind dieser Dinge müde. Ein jetziges Eingreifen käme auf jeden Fall schon zu spät: viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn man rechtzeitig eingegriffen hätte“.
Der britische Botschafter bei den Vereinten Nationen hatte jüngst die Entsendung einer internationalen Eingreiftruppe unter Führung der Vereinigten Staaten vorgeschlagen. Worauf der amerikanische Botschafter in Monrovia jedoch erklärte, Voraussetzung für die Entsendung amerikanischer Truppen sei die Beendigung der Gefechte. Unterdessen hat sich eine Delegation der Vereinten Nationen mit Vertretern der gegnerischen Parteien aus Liberia in Ghana zu weiteren Gesprächen über einen dauerhaften Waffenstillstand getroffen.
„Die Trennung der gegnerischen Parteien wäre nur der erste Schritt“, so der Missionar weiter. „Vor allem müsste in Liberia die Logik des Bandentums endgültig beseitigt werden. Gegen Taylor wurde von der internationalen Staatengemeinschaft Anklage erhoben, doch die Liberianer trauen auch den Rebellen nicht, denn sie verüben dieselben Gräueltaten wie die Soldaten des Präsidenten. Letzterer kann sich somit ein weiters Mal als Retter der Nation darstellen“.
„Auch die Vereinten Nationen sollten über die Kultur der Nothilfe hinausgehen, bei der es sich gewiss um einen ersten notwendigen Schritt handelt. Denn es sollten langfristige Projekte geplant werden, die das Land aus dem Abgrund holen können, in den es geraten ist. In Liberia, wie auch in anderen Ländern fehlt das politische Projekt“, mahnt der Missionar abschließend.
(LM) (Fidesdienst, 26/6/2003 – 33 Zeilen, 366 Worte)

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