OZEANIEN/AUSTRALIEN - Eine erste Gruppe minderjähriger Asylbewerber wird voraussichtlich noch vor Weihnachten aus der Abschiebehaft entlassen werden

Montag, 13 Dezember 2010

Sydney (Fidesdienst) – Nachdem die Erzdiözese Melbourne die eigene Bereitschaft zur Aufnahme Asylsuchender in kirchlichen Strukturen bekannt gegeben hat (vgl. Fidesdienst vom 6. Dezember 2010) veranstaltet nun das Ministerium für Einwanderung und Staatsbürgerschaft in Melbourne und Sydney verschiedene „Runde Tische“ mit Vertreter von Ordensgemeinschaften, katholischen Organisationen und des Roten Kreuzes. Pater Sacha Bermudez-Goldman (sj), der das Büro des Jesuit Refugee Service Australia leitet und am „Runden Tisch“ in Sydney teilnahm, sprach mit dem Fidesdienst über die Initiative der australischen Regierung, in deren Rahmen bis zu 1.500 minderjährige Flüchtlinge aus den Haftanstalten auf Christmas Island und in anderen Teilen des Landes entlassen und in den Gemeinden untergebracht werden sollen.

Um wen handelt es sich bei diesen Asylbewerbern?

Die meisten der Asylbewerber kamen während der vergangenen zwei auf dem Seeweg nach Australien und stammen aus Afghanistan. Viele gehören dem Volk der Hazara an, die in Afghanistan in der Minderheit leben und wurden verfolgt werden, vor allem in den letzten Jahren. Die zweitgrößte Gruppe sind Tamilen aus Sri Lanka, von denen viele nach dem bewaffneten Konflikt zwischen der Regierung und den tamilischen Rebellen ihre Heimat verließen. Bei den meisten handelt es sich um Zivilisten, die sich zunächst im Kreuzfeuer befanden und schließlich nach Beendigung der Kämpfe in Camps für Binnenflüchtligen untergebracht wurden (nach Schätzungen wurden über 300.000 Tamilen in solchen Camps untergebracht). Andere Asylbewerber kamen ebenfalls auf dem Seeweg aus dem Irak, dem Iran, Kurdistan, Myanmar (aus dem Volk der Rohingya) und anderen Ländern, weil sie in ihren Herkunftsländern Angst vor Verfolgung haben.

Weshalb bewerben sie sich in Australien um Asyl?

Es gibt wenige Länder, die im geographischen Raum zwischen Iran, Irak, Afghanistan und Australien, die Flüchtlingskonvention unterzeichnet haben. Transitländer wie Malaysia oder Indonesien haben es zum Beispiel nicht getan, weshalb Asylsuchende Länder auswählen, die ihnen permanenten Schutz bieten, nachdem ihnen der Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde. Sowohl in Indonesien als auch in Malaysia gibt es keine Integrationspolitik. Auch wenn Asylbewerber in diesen Ländern den Flüchtlingsstaus erhalten, müssen sie sich trotzdem in einem Drittland niederlassen.

Wie beurteilen Sie die Initiative der australischen Regierung?

Religiöse Gruppen und Gemeinschaften sowie andere Organisationen, die sich um Flüchtlinge und Asylbewerber kümmern, begrüßen diese Initiative der Regierung. Wir vertreten seit jeher die Position, dass Asylsuchende nicht auf unbegrenzte Zeit in Haft abgeschoben werden dürfen. Nach den Kontrollen im Hinblick auf die Identität, den Gesundheitszustand und die Sicherheit (für die bei den meisten Menschen nicht mehr als drei Monate notwendig sein sollten) sollte es den Asylbewerbern erlaubt sein, in den Gemeinden auf die Bearbeitung ihres Asylantrags und die Beurteilung ihres jeweiligen Status zu warten. Wir unterstützen diese Initiative, die es vor allem Minderjährigen ermöglicht, die Haftanstalten so schnell wie möglich zu verlassen. Wir wünschen uns, dass diese Initiative künftig auch auf Einzelpersonen, Männer und Frauen, ausgedehnt wird, damit niemand lange Zeit in Abschiebehaft verbringen muss. Es ist positiv, dass die Regierung die kirchlichen Gemeinschaften und Organisationen um Mithilfe bittet, wenn es darum geht, entsprechende Strukturen für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. Viele dieser Organisationen haben große Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen. Während sich die Minderjährigen prinzipiell weiterhin in „Gemeinschaftshaft“ befinden, werden sie jedoch die Schule besuchen oder eine Berufsausbildung machen, und sich, was besonders wichtig ist, frei fortbewegen können. (JF) (Fidesdienst, 13/12/2010)


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