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America

2004-09-11

AMERIKA/CHILE - Drogenhändler nutzen wirtschaftlichen Fortschritt: „Salmon Connection“ als Gefahr für Europa. Der Apostolische Vikar von Aysén im Gespräch mit dem Fidesdienst

Rom (Fidesdienst) - „In den anderen Teilen der Welt weiß man nicht viel darüber, doch es handelt sich um ein Problem, dass von Tag zu Tag besorgniserregendere Ausmaße annimmt. Chile ist zu einem wichtigen Transitland für Kokain geworden, das für den europäischen Markt bestimmt ist“, so der Apostolische Vikar von Aysén (Chile), Bischof Luigi Infanti Della Mora, OSM, im Gespräch mit dem Fidesdienst am Rande der von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker veranstalteten Studienseminars für neu ernannte Bischöfe.
Der aus Italien stammende Bischof Infanti Della Mora lebt seit 30 Jahren in Lateinamerika. „Ich war neun Jahre in Bolivien und wurde am 11. August 1973 nach Chile versetzt, genau einen Monat vor dem Militärputsch“, erinnert sich der Bischof.
Zur aktuellen Situation des Landes erklärt er: „In Chile scheint die Demokratie endlich Wurzeln geschlagen zu haben. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die Situation in Chile besser als in anderen Ländern der Region. Ein weiterhin bestehendes Problem ist jedoch die ungleiche Verteilung des Reichtums. Eine Frage, die hoffentlich bald mit friedlichen Mitteln gelöst werden kann.“
Zu den Problemen, denen der Bischof in seinem Amt als Hirte gegenübersteht, gehört der Drogenhandel, der das gesamte soziale Gewebe beeinträchtigt. „In den anderen Teilen der Welt wird nicht viel darüber gesprochen, doch der Drogenhandel schlägt zunehmend Wurzeln in Chile. Chile ist ein Transitland für Kokain, das in anderen südamerikanischen Ländern produziert und nach Spanien und ganz Europa weiter verschickt wird. Chile ist zum weltweit größten Lachsproduzenten geworden. Diese Tatsache nützt die chilenische Mafia, die ihre Drogen zwischen den gefrorenen Fischen versteckt, die ins Ausland verkauft werden.“
„Der Hauptgrund dafür, dass die Drogenhändler Chile ans Transitland für Kokainladungen ausgewählt haben, die für Europa bestimmt sind, ist die Tatsache, dass die internationalen Kontrollen in der Karibik verstärkt wurden. Durch die Verlagerung der Transportwege in den Süden, konnten diese Kontrollen umgangen werden. Der Anstieg des Exportumfangs bei chilenischen Unternehmen lässt es zu, dass die Drogen leichter versteckt werden können“, so der Bischof, der in diesem Zusammenhang darauf hinweist, dass der Drogenhandel legale Handelsgeschäfte gefährdet.
„Dies stellt auch für die Kirche, der das Wohl aller Menschen am Herzen liegt, eine Herausforderung dar“, so Bischof Infanti della Mora. „Auch in meinem Vikariat fordert die Gewalt im Zusammenhang mit den Drogengeschäften ihre Opfer: in den vergangenen 4 Jahren starben insgesamt 12 junge Männer, weil sie in Drogengeschäfte verwickelt waren. Ich habe diese Vorfälle immer wieder denunziert und die Behörden um Aufklärung gebeten.“
„Ich weiß, dass es gefährlich ist, wenn man solche Positionen vertritt, doch als Hirte habe ich die Pflicht die Wahrheit zu sagen und die Schwachen zu Schützen“, so Bischof Infanti Della Mora weiter, „Als im August dieses Jahres im Dom von Santiago mein Mitbruder, Pfarrer Faustino Gazziero, ermordet wurde, hatte man anfangs aus den Umständen geschlossen, dass es sich dabei vielleicht um eine Warnung handelte, die mir gelten sollte. Doch später stellte sich heraus, dass es sich bei dem Mörder um ein Mitglied einer satanischen Sekte handelte, der gestand, er habe nur irgendeinen Priester ermorden wollen.“
„Auch die Sekten sind eine Herausforderung für die Kirche in Chile“, so der Bischof. „Viele vermuten, dass satanische Sekten mit dem Drogenhandel in Verbindung stehen und von der Mafia genutzt werden könnten. Sicher ist jedoch, dass diese Sekten keine finanziellen Sorgen haben. Außerdem waren zwei der 12 jungen Männer, die in Aysén ermordet wurden und von den Drogenhändlern als Boten eingesetzt worden waren, Mitglieder einer satanischen Sekte.“ Bischof Infanti Della Mora, fühlt sich jedoch nicht allein gelassen, wenn es darum geht, sich gegen dieses traurige Phänomen Position zu beziehen. „Als Hirte stehe ich zwar an vorderster Front, doch ich werden in meinem Bemühen von der ganzen Ortskirche unterstützt: Priester, Ordensleute und Laien stehen hinter mir. Die ganze Glaubensgemeinschaft wehrt sich gegen diese Situation, die das soziale Gewebe und das zivile Zusammenleben gefährdet“. (LM) (Fidesdienst, 11/09/2004 - 55 Zeilen, 648 Worte)

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