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Africa

2004-04-14

AFRIKA/SÜDAFRIKA - Parlamentswahlen in Südafrika: African National Congress gilt weiterhin als Favorit, muss jedoch wahrscheinlich Stimmen enttäuschter Wähler einbüßen.

Johannesburg (Fidesdienst) - „Diese Wahlen sind von einer gewissen Enttäuschung oder vielmehr Desillusionierung gekennzeichnet“, so Pater Mario von der „Scalabrini Development Agency“ in Kapstadt im Gespräch mit dem Fidesdienst zu den Wahlen in Südafrika vom heutigen 14. April. Zehn Jahre nach Ende der Apartheid sind dies bereits die dritten Wahlen, an denen alle südafrikanischen Staatsbürger gleichberechtigt teilnehmen. Pater Mario zieht eine Bilanz der vergangenen zehn Jahre: „Der African National Congress (ANC) hat sich als Partei jahrelang für die Bekämpfung der Apartheid eingesetzt. Die Partei hat die letzten Wahlen alle gewonnen und damit die politische Szene der vergangenen zehn Jahre beherrscht. Leider wurden jedoch in den vergangen Jahren viele Wähler enttäuscht, denn es waren Versprechen gemacht und nicht eingehalten worden. Einige dieser Versprechen waren rein demagogischer Art, wie zum Beispiel, das Vorhaben für 5 bis 6 Millionen Menschen innerhalb kurzer Zeit Wohnungen zu beschaffen. Ein solches Versprechen ist unrealistisch, wenn die Staatskassen leer sind.“ Zu den Auswirkungen dieser Politik gehört auch die sinkende Wahlbeteiligung. In die Wahllisten der insgesamt 16.966 Wahllokale wurden rund 21 Millionen Wähler eingetragen, das heißt, dass rund 7 Millionen wahlberechtigte Bürger nicht registriert wurden. „Dies ist auch die Schuld der Einwohnermeldestellen, die vor allem in den ländlichen Gebieten nicht immer funktionieren, weshalb es Millionen von Südafrikanern gibt, die dem Staat unbekannt sind und keine Ausweise haben“, so Pater Mario. „Außerdem sind die Menschen noch nicht an das Wählen gewöhnt, weshalb sie es oft nicht für notwendig erachten, sich registrieren zu lassen. Hinzu kommt die Enttäuschung“.
Bei den Wahlen werden die 400 Abgeordneten der Nationalversammlung und die Mitglieder von insgesamt 9 Provinzverwaltungen gewählt. Am 23. April werden die Südafrikaner dann einen neuen Präsidenten wählen.
An der Wahl beteiligen sich insgesamt 37 Parteien, von denen 11 sowohl im ganzen Land als auch in den Provinzen vertreten sind. Bei den Wahlen im Jahr 1994 gewann der African National Congress mit insgesamt 62,2% der Stimmen. Aufgrund des Wahlsiegs der ANC wurde der legendäre Parteivorsitzende, Nelson Mandela, erster schwarzer Präsident des Landes. Mandela war 3 Jahre zuvor aus 27jähriger Gefangenschaft unter dem Apartheid-Regime entlassen worden. Bei den Wahlen 1999 erhielt die ANC sogar 66,4% der Stimmen. Mandela zog sich jedoch aus dem politischen Leben zurück und in seinem Amt folgte ihm Thabo Mbeki nach, der sich auch dieses Jahr als Kandidat für die Präsidentenwahlen aufstellen ließ.
Die ANC gilt auch bei diesen Wahlen als Favorit, „obschon auch die Partei von Patrizia Lille, einer ehemaligen ANC-Politikerin, an Zustimmung zu gewinnen scheint. Patrizia Lille ist vor allem unter den Mulatten beliebt“, so Pater Mario abschließend.
Die Wahlergebnisse werden am 19. April bekannt gegeben werden. (LM) (Fidesdienst, 14/4/2004 - 38 Zeilen, 445 Worte)

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