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Africa

2004-03-26

AFRIKA/COTE D’IVOIRE - Nach den gestrigen Unruhen, bei denen es 25 Tote und zahlreiche Verletzte gab, ist das Land zunehmend gespalten. Bedauernswert ist dabei vor allem, dass niemand an das Wohl der Nation zu denken scheint.

Abidjan (Fidesdienst) - Bei den gestrigen Unruhen gab es mindestens 25 Tote und zahlreiche Verletzte. Dies geht aus einer ersten Bilanz nach den Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten am gestrigen 25. März in der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan hervor, wo die Oppositionsparteien zu einer Protestkundgebung aufgerufen hatten. „Die Menschen konnten ihre Stadtviertel nicht verlassen, nachdem die Polizei alle strategisch wichtigen Punkte der Stadt abgeriegelt hatte“, berichten Beobachter aus Kreisen der Ortskirche gegenüber dem Fidesdienst. „Die Demonstration wurde somit in ihren Anfängen erstickt, denn diejenigen, die daran teilnehmen wollten konnten nicht zu den vereinbarten Treffpunkten gelangen“, so die Beobachter. „Damit die Menschen zuhause blieben, hatte Staatspräsident Gbagbo Arbeitsplätze und Schulen schließen lassen. Die Arbeiter werden für die ausgefallenen Arbeitsstunden bezahlt werden.“
Zu Auseinandersetzungen kam es zwischen den Demonstranten, die versuchten, die Straßenblockaden zu missachten, und den Sicherheitskräften. Unter anderem wurden auch Hubschrauber eingesetzt, die Tränengas versprühten, während am Himmel zahlreiche Kampfflugzeuge zu sehen waren. Der staatliche Fernsehsender zeigte Bilder von verstümmelten Polizisten. „Das Präsidentenamt und die Opposition schieben sich die Schuld für die Unruhen gegenseitig zu. Die Partei des Präsidenten wirft der Opposition vor, sie habe zu einem bewaffneten Aufstand aufgerufen. Die Opposition erklärt, ihre Anhänger seien nicht bewaffnet gewesen, weshalb die Sicherheitskräfte für die Gewalt verantwortlich seinen.“, so die Beobachter.
Zu der Protestkundgebung hatten sieben Oppositionsparteien aufgerufen, die zuvor aus der Regierung der Nationalen Einheit zurückgetreten waren. Sie werden dem Präsidenten Verzögerungen bei der Umsetzung der 2003 in Marcoussis (Frankreich) unterzeichneten Friedensvereinbarungen vor, mit denen der im September 2002 ausgebrochene Bürgerkrieg beendet worden war. Unterdessen werden der Norden und der Osten des Landes weiterhin von den Rebellen der „Nouvelles Forces“, einem Zusammenschluss der drei wichtigsten Guerillabewegungen, kontrolliert.
„In der Stadt herrscht erneut eine scheinbare Ruhe. Auf den Straßen sieht man weiterhin zahlreiche Polizeibeamte und Soldaten. Die schulen bleiben weiterhin geschlossen und viele Menschen sind auch heute nicht zur Arbeit gegangen“, so die Beobachter weiter. Die Oppositionsparteien kündigten unterdessen auch für den heutigen 26. März weitere Protestkundgebungen an.
In Boaké, der größten Stadt in dem von den „Forces Nouvelles“ belagerten Norden des Landes, ist die Situation ruhig. „Die Rebellen erlauben keine Art von Protest. Gestern wurde hier im Zeichen der Solidarität mit der Opposition demonstriert“, so Beobachter aus Kreisen der Ortskirche. „Leider besteht keinerlei Bereitschaft zum Dialog. Der Fernsehsender der Rebellen berichtete von 50 Toten bei den gestrigen Unruhen, womit der Hass und Rachegefühle zusätzlich geschürt wurden. Vielleicht will man die Situation derart au die Spitze treiben, dass sich die internationale Staatengemeinschaft zum eingreifen gezwungen sieht und den Präsidenten absetzt, wie es in Liberia mit Taylor und auf Haiti mit Aristide geschehen ist“, so die Bobachter weiter.
„Bedauernswert ist vor allem, dass auch wenn die Demonstration von gestern regulär stattgefunden hätte, das Land weiterhin zunehmend gespalten ist. Anstatt sich um das Gemeinwohl zu bemühen stehen persönliche Interessen oder die Interessen der Partei im Vordergrund“, so die Beobachter. „In ihren ganzen Reden sprechen die verschiedenen Politiker nie vom Wohl des Landes. Abgesehen von den Toten und Verletzten ist die traurigste Nachricht“. (LM) (Fidesdienst, 26/3/2004 - 50 Zeilen, 532 Worte)

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