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Africa

2003-12-18

AFRIKA/UGANDA - ERZBISCHOF VON GULU KOMMENTIERT FÜR DEN FIDESDIENST DIE WEIHNACHTSBOTSCHAFT DER RELIGIONSFÜHRER AN DIE MENSCHEN IN DEN KRIEGSGEBIETEN IM NORDEN UGANDAS: „VERTRAUT AUF GOTT; BETET INSTÄNDIG, DENN DER FRIEDEN KANN NUR VON GOTT KOMMEN“

Gulu (Fidesdienst) – „Die Religionsführer wollten zu Weihnachten ein Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung setzen“, so Erzbischof John Baptist Odama von Gulu (Norduganda) gegenüber dem Fidesdienst in einem Kommentar zum Besuch der wichtigsten Religionsführer in dem 18 Kilometer von Gulu entfernten Flüchtlingslager in Pagak. Der Delegation gehörte der Erzbischof von Kampala, Kardinal Emmanuel Wamala zusammen mit Vertretern der anglikanischen Gemeinschaft und der orthodoxen Kirche sowie einem Vertreter der muslimischen Glaubensgemeinschaft an. „Es handelte sich nicht nur um eine Geste der Solidarität gegenüber den Acholi, sondern auch um eine Aufforderung zur Einheit des ganzen ugandischen Volkes“, so Erzbischof Odama. Die Acholi sind die größte Volksgruppe im Norden Ugandas, wo seit Jahren die Guerilla-Einheiten der Lord’s Resistance Army (LRA) kämpfen. Im Laufe der Jahre fühlten sich die Acholi von der restlichen ugandischen Bevölkerung ihrem Schicksal überlassen und dies vor allem angesichts der nicht enden wollenden Gewalt.
„Bei ihrem Besuch begegnete die Delegation auch Kindern, die auf ihrer Flucht vor den nächtlichen Überfällen der Guerillakämpfer in einem provisorischen Camp am Stadtrand von Gulu Zuflucht suchen“, berichtet Erzbischof Odama. „Auch an sie wandten sich die Religionsführer mit derselben Botschaft: Vertraut auf Gott und betet inständig, denn der Friede kann nur von Gott kommen“.
„Die Anführer der wichtigsten ugandischen Religionsgemeinschaften appellierten aber auch an die Regierung und an die Guerillakämpfer mit der Bitte um den Dialog zur Beendigung des Krieges, der für die Zivilbevölkerung so viel Leid mit sich bringt. In diesem Zusammenhang baten sie auch um die Ausdehnung des Amnestiegesetzes (Amnesty Law) auf die Anführer der LRA“, so der Erzbischof weiter. „Das Gesetz sieht Straffreiheit für alle Guerillakämpfer vor, die ihre Waffen abgeben, schließt jedoch die Anführer der LRA aus“, erläutert Erzbischof Odama. „Mit ihrer Bitte möchten die Religionsvertreter daran erinnern, dass Gottes Vergebung grenzenlos ist und deshalb auch das menschliche Verzeihen nicht eingeschränkt sein sollte. Dabei handelt es sich um eine moralische Anregung, doch es könnte auch eine nützliche Orientierungshilfe für die Beendigung des Krieges sein“.
„Es sollte berücksichtigt werden, dass seit Inkrafttreten des Gesetzes im Januar 2000 nach Angaben der Amnesty Commission der Regierung über 10.000 Guerillakämpfer ihrer Waffen abgegeben haben“, so der Erzbischof, „Das stellt unter Beweis, dass es sich um ein wichtiges Mittel zur Förderung der Rückkehr des Friedens in unser Land handelt.“
In der von der LRA vertretenen Ideologie vermischen sich religiöser Elemente aus dem Christentum und dem Islam mit Elementen der afrikanischen Stammesreligionen. Aus diesem Grund engagieren sich auch die Religionsführer der Region durch Verhandlungen mit den Guerillaeinheiten aktiv für den Frieden.
Zu den religiösen Aspekten des Konflikts kommen ethnische Elemente hinzu. Bei den Mitgliedern der LRA handelt es sich größtenteils um Acholi. Die LRS kämpft seit 1986 gegen Staatspräsident Yoweri Museveni, der 1986 durch einen Putsch an die Macht gelangt war, bei der eine Militärjunta gestürzt wurde, der größtenteils Generäle aus dem Volk der Acholi angehörten. Die ehemaligen Soldaten aus dieser Volksgruppe flüchteten in den Sudan, wo sie verschiedene Guerillabewegungen gründeten, die sich größtenteils in der LRA zusammenschlossen. (LM) (Fidesdienst, 18/12/2003 – 48 Zeilen, 526 Worte)

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